"Der Weg"


Gelegt werden zwei Säulen, die sich wiederum in drei Ebenen gliedern. Mit der linken Säule und den Positionen 2-4 wird unser bisheriges Verhalten und die momentane Einstellung zu der Fragesituation deutlich. Die erste Ebene (Pos. 2) betrifft dabei unser Bewusstsein, unsere rationale Einstellung zu der Angelegenheit. Die zweite Ebene zeigt unsere Gefühle. Hier kann man manchmal Verblüffendes über sich selbst herausfinden, besonders dann, wenn bei Position 3 eine Karte liegt, die überhaupt nicht dem entspricht, was man glaubt zu fühlen. Oft weist sie dann auf eine unbewusste Sehnsucht oder Angst hin, die die Situation stark beeinflusst. Die dritte Ebene bezieht sich auf die äußere Haltung, unsere „Fassade“.
Denn das, was der Frager wirklich denkt und fühlt, muss nicht unbedingt das sein, was er nach außen zeigt. In der rechten Säule liegen die Lösungsvorschläge und Empfehlungen für das zukünftige Verhalten. Oft ist es erstaunlich, welche Klarheit wir mit diesem Legesystem über eine quälende Situation gewinnen können. Dabei eignet es sich ebenso gut dazu, Situationen mit anderen Menschen zu beleuchten, wie auch, sich eigenen Problemen zu stellen.

 

Besonders spannend wird es dabei, wenn auf den Positionen für das empfohlene, zukünftige Verhalten eher negativ wirkende Karten liegen – z.B. der Turm oder die 9 der Schwerter. Häufig geht es dann um tief sitzende alte Verhaltensmuster oder Ängste, die erst einmal ins Bewusstsein gebracht werden müssen, bevor sie angenehmeren Gefühlen weichen können.
 

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Beispiellegung:

 

Situation: Dieses Kartenbild wurde von einem Mann gelegt, der seit zwei Jahren mit diffusen Angstgefühlen und Panikattacken zu kämpfen hat. Er wollte wissen, was er (außer fachärztlicher / therapeutischer Behandlung) selbst noch für sich tun kann, um Erleichterung zu finden und einer Lösung des Angstproblems näher zu kommen.

 

Gelegt mit Rider-Waite

 

1) Sonne

 

2) Gerechtigkeit

 

3) Eremit

 

4) Königin der Kelche

 

5) Bube der Münzen

 

6) 10 der Münzen

 

7) 9 der Münzen

 

Einleitende Information: Während zwar starke, aber auch sehr statische, ruhige Karten auf der linken Säule der jetzigen Einstellung des Fragers liegen, befinden sich auf der rechten Säule, dem empfohlenen Verhalten, durchweg Karten, die eine große Nähe zur Erde und zum täglichen Leben symbolisieren und allesamt die Fähigkeit zum Thema haben, aus dem, was man an realen Möglichkeiten zur Verfügung hat, das Beste zu machen. Dabei geht es auch nicht so sehr um materielle Arbeit, sondern vielmehr um das geduldige Einüben einer neuen Sicht und Verhaltensweise.

 

Pos. 1: Darum geht es. Das sind Ihre Chancen und Risiken in Bezug auf die Frage:

 

Der optimistische, erfolgsverwöhnte, sonnige Teil im Wesen des Fragers ist im Moment von den Ängsten überlagert. Die Sonne zeigt in dieser Position das Potenzial, das sich in ihm wieder entfalten kann, wenn er den Vorschlägen für zukünftiges Verhalten folgt: Lebensbejahung, Optimismus, Zuversicht und weltlicher Erfolg.

 

Pos. 2: Bisherige bewusste Einstellung, Gedanken, Vorstellungen, Absichten:

 

Der Frager versucht, seine Angst mit dem Kopf zu steuern und durch Vernunft und Erkenntnis in den Griff zu bekommen. Er weiß, dass alles, was eine Wirkung hat, auch eine Ursache haben muss und sucht mit seinem analytischen Verstand und einem betont objektiven Blick nach Gründen für die Angst, weil er glaubt, sein Problem nur so lösen zu können.

 

Pos. 7: Empfohlene Einstellung, Vorschlag für die rationale Vorgehensweise:

 

Es geht ganz klar darum, aus dem Kopf mehr „auf die Erde“ zu kommen. Diese Karte verkörpert in besonderem Maße Selbstsicherheit und einen gelassenen, inneren Frieden, entstanden durch innere Reife und ein Bewusstsein darüber, was man im Leben alles schon erreicht hat. Dabei mag es zum einen um äußere Errungenschaften gehen, wichtiger ist aber der innere Reichtum, der mit dieser Karte in den Fokus rückt. Die Aussage dahinter lautet: „Besinne dich auf das, was du schon erreicht hast, konzentriere dich auf dein tägliches Leben und öffne den Blick für die großen und kleinen Schönheiten, die es dir bietet.“ Die Neun der Münzen ist ebenfalls eine Karte der Disziplin. Jedoch bedeutet Disziplin hier in keinem Fall, die Angstgefühle zu unterdrücken, sondern ihnen stattdessen kontinuierlich positive Gedanken entgegenzusetzen, so schwer das in jenen qualvollen Momenten auch fallen mag. Um die Gelassenheit dieser Karte zu erreichen, muss der Frager ganz bewusst trainieren, schöne Kleinigkeiten des Alltags stärker zu werten und positive Erlebnisse intensiver wahrzunehmen.

 

Pos. 3: Bisherige emotionale Haltung, was der Frager fühlt:

 

Der Eremit ist eine Karte großer Weisheit. Der Frager ist also ein Mensch, der den Weg der Selbsterkenntnis geht und auf der Suche nach dem tieferen Sinn schon viel über sich selbst und das Leben gelernt hat.  Aber der Eremit ist auch ernst und schwer, er steht für Einsamkeit, Rückzug und selbst auferlegte Entsagung - besonders, wenn er wie hier bei den Gefühlen liegt. Dies zeigt, dass der Frager sich nach außen hin zu sehr abkapselt und sich anderen Menschen nur schwer anvertrauen kann. Er gibt sich freundlich und aufgeschlossen, doch in Wahrheit fühlt er sich einsam und allein, wobei er sich dieses Los im Grunde jedoch selbst auferlegt, wie eine Art Buße, mit der er durch Leid und Askese Läuterung und Erlösung zu erlangen hofft. Dies ist nicht, was er nach außen zeigt, aber das, was unbewusst seine Emotionen bestimmt und so sein Angstproblem verlängert.

 

Pos. 6: Vorschlag für die emotionale Haltung:

 

Im Falle des Fragers liegt die Lösung jedenfalls nicht in Rückzug und Besinnung. Vielmehr in dessen Gegenteil. Er wird sich viel Gutes tun, wenn er es schafft, sich aus seinem selbst gewählten emotionalen Winter zu lösen und sich Menschen mitzuteilen. Er braucht nicht immer nach dem Sinn und Grund suchen, er darf es sich einfacher machen, mehr im Jetzt sein, z. B. indem er sich mehr ablenkt und oberflächlichen Zerstreuungen, die Spaß machen, nachgeht. Manchmal kann das Wunder bewirken. Und nicht umsonst führt uns die 10 der Münzen wie keine andere Karte vor Augen, dass sich uns verborgene Erkenntnisse oft in den alltäglichsten Dingen eröffnen.

 

Darüber hinaus geht es hier ebenfalls um emotionalen Reichtum und vor allem um Kommunikation. Wie die 9 der Münzen beinhaltet auch diese Karte Zufriedenheit, Reichtum und Stabilität. Doch vor allem zeigt sie, wie wichtig es ist, dass der Frager wieder lernt, auf andere Menschen zuzugehen und sich ihnen zu öffnen, indem er seine Empfindungen zeigt und mitteilt. Nur, wenn er die Gefühle wieder im Austausch mit andern Menschen fließen lässt, kann er seine unterdrückte Lebenslust freisetzen.

 

Pos. 4: Äußere Haltung, Auftreten, Fassade:

 

Der Schlüssel zur Deutung der Königin liegt in ihrer Gegensätzlichkeit zur Karte auf Pos. 5: Sie steht dem Buben der Münzen gegenüber und bezieht sich daher auf eine zu nachgiebige, passive Haltung. Nach außen zeigt sich der Frager also weich, liebenswürdig und eher antriebsschwach. Eigentlich ist er auf der Suche nach emotionalem Halt – möglicherweise auch bei einer Frau – wobei er aber gleichzeitig seine wahren Gefühle für sich behält (siehe Pos. 3).

 

Pos. 5: Empfehlung für das äußere Verhalten:

 

Der Bube hält ihm seinen Wanderstab als Aufforderung hin, aufzubrechen und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Er ist verspielt, optimistisch, temperamentvoll und begeisterungsfähig. Diese Eigenschaften soll auch der Frager in sich fördern. Er kann dies durch Offenheit erreichen, indem er seinen Blick von innen nach außen lenkt und sich für Chancen und schöne Gelegenheiten öffnet, schöne Dinge unternimmt und darauf vertraut, dass sich mit der Zeit die Lösung schon zeigt, auch wenn er sie jetzt noch nicht sehen oder spüren kann. Der Bube sagt: „Lass dich verlocken, vom Leben verführen und gehe spannenden Dingen nach, ohne allzu viel darüber nachzudenken. Gib dem Kind in dir die Gelegenheit, jeden Tag das Leben neu zu entdecken!“

 

MICHELLE SCHOPEN

 
coco21.qintern.de